Tags

, , , ,

Die Vipassana Meditation dient einem ein Stück der eigenen Welt zu verstehen. Nicht nur die Innenwelt auch die Welt in ihrer natürlichen Form zu verstehen. Viele Dinge im Leben haben wir theoretisch schon so oft diskutiert und auch gemeint verstanden zu haben. Weit entfernt davon ist es jedoch die Dinge am eigenen Leib zu erfahren. Alles fliesst und nichts steht ist dabei nur ein Beispiel. Nun zu dem was in zehn Tagen passiert. Für nur eine kurze Zeit von ein paar Stunden kann man mit anderen sprechen, während sich jeder registriert und alle ihre persönlichen und elektronischen Habseligkeiten abgeben. Ohne Verantwortung für Besitztümer bleibt es nur noch sich mit dem Zeitplan anzufreunden. Die ersten Nächte bin ich sehr aufgeregt und es ist nicht einfach zur Ruhe zu kommen. Eine der Regeln, welche die Meditation aufstellt ist absolutes Schweigen. Reden ist Silber und Schweigen ist Gold, erlebe ich auch dann am eigenen Leib. Also auch darüber mache ich mir keine Sorgen mehr. Nun da wäre noch der Zeitplan. Aufstehen 4:00 Uhr! Das dauert etwas zu verdauen! Spätestens jedoch nach zwei Tagen ist man auch daran gewöhnt. Dann wäre da noch das Meditieren. Als völlig Unerfahrene versuche ich nach bestem Tun alle Dinge die mir jeden Abend in einem Tutorial vermittelt werden umzusetzen. Es dauert einige Zeit bis mein Körper sich auf das lange Sitzen einstellt und auch wach zu bleiben. Es ist eben nicht nur Sitzen. Die Konzentration wird auf einen kleinen Punkt auf dem Körper fokussiert und die Aufgabe ist nichts weiter, als diesen zu beobachten. Wärme, Kälte, Feuchtigkeit, Pochen, Klopfen, Vibrieren und was sonst noch so alles mit Wellen und Wasser, aus denen wir bestehen, passieren kann. Es ist möglich sich den Körper als eine Flasche gefüllt mit diversen Flüssigkeiten und Sedimenten vorzustellen. Nun sind wir ständig in Bewegung und auch in passiver Beeinflussung. Lässt man es zu diesem durch gewirbeltem Körper zehn Tage sich zu setzen passieren sehr erstaunliche Dinge.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse die ich mit auf den Weg bekommen habe ist, dass man nichts und niemanden festhalten kann. Das Privileg ist nicht sich nur mit einer Person verbunden zu fühlen, sondern alle Wesen um einen zuzulassen, respektieren und jeden den Raum zu geben selbst zu sein. Wir sind hier nur als Gäste in dem uns gegeben Körper. Frieden in uns selbst hilft dabei auch Liebe in die Welt zu senden.

Nach zehn Tagen wieder zu sprechen ist sehr eigenartig und es übermannt mich etwas. Nach nur einigen Sätzen verlasse ich den Raum und brauche eine Pause von all den Stimmen. Der ganze Körper fühlt sich so an, als würde er wackeln. Nicht nur die Tatsache, dass ich Reden kann, auch frage ich mich, was soll ich noch Reden. Es kommt nicht selten vor, dass die Wörter einfach so aus dem Mund blubbern, ohne wirklich eine Minute vorher darüber nachgedacht zu haben. Nun da bleiben noch ein paar Aufgaben für dieses Leben die anzugehen sind. In diesem Sinne kehre ich vor meiner Tür, bevor ich auf andere zeige, auch wenn ich dem nicht ganz entsagen kann.

Manisa und Darya sind zwei Frauen die ich nach der Meditation kennenlerne. Wir haben noch ein gemeinsame Nacht in Auckland, bevor wieder jeder in seine Richtung weiter reist. Wir gehen gemeinsam etwas essen und am nächsten Tag erkunden wir noch etwas mehr von der Stadt. Vor lauter Entspannung verpasse ich am Abend mein Flug zurück nach Christchurch, nun ein paar Stunden später fliege ich dann zurück.

Advertisements